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1. Tag Samstag, 28. Januar
Ankunft in Äkäskero

Wider besseren Wissens lassen wir uns von Martin bereits gegen 10.00 Uhr an den Flughafen bringen. Wir sind bereits eingecheckt, haben beste Plätze, nur das Gepäck muss noch aufgegeben werden. So bleibt noch jede Menge Zeit für einen Kaffee bei McDonalds im Terminal 2. Als wir dann am Gate ankommen, steht der Bus aber schon bereit und pünktlich um 11.40 Uhr heben wir in Richtung Helsinki ab.

Der Flughafen in Helsinki ist mehr oder weniger übersichtlich und das Anschlussgate nach Kittilä schnell gefunden. Hier bleibt Zeit ein erstes finnisches Bier zu trinken. Auch wir sind verwundert, wie viele Menschen nach Kittilä wollen und sich ebenfalls am Gate einfinden. Auch hier geht es pünktlich weiter.

In Kittilä sollte nun jemand uns in Empfang nehmen mit einem Schild «Äkäskero» und/oder unseren Namen. Leider findet sich niemand mit einem solchen Schild. Nach und nach finden sich immer mehr Leute ein, die so ein Schild suchen. Die Diamir-Zetteln, die sie hochhalten lassen uns aber die Sache gelassen nehmen - geteiltes Leid ist halbes Leid. Irgendwann entscheidet dann auch ein Betreuer einer anderen Reisegruppe uns zum Bus nach Äkäskero zu bringen. Alles wird gut. Der Weg über den Parkplatz gibt uns nebenbei schon mal einen ersten Vorgeschmack auf die Kälte.

Nach gut 45 Minuten Fahrzeit stehen wir an der Rezeption in Äkäskero und bekommen eine kurze Einweisung. Zimmer werden zugeteilt, zwecks Leihkleidung bitte noch Kleidergrößen angeben und dann im Restaurant des Hauses einfinden. Die Tische sind dort nach Guides sortiert, einfach einen aussuchen, an dem noch Platz ist. Na denn.

Frei nach dem Motto: Wer zu spät kommt ... beeilen wir uns ins Restaurant zu kommen. Denkfehler Nummer 1. Wir sind fast die ersten Gäste, die sich setzen und so suchen nicht wir die anderen Teilnehmer unserer Gruppe aus, sondern sie uns. Naja, wir beißen ja nicht. Wir gehen die Tische entlang, ein Guide führt eine andere Tour, als wir gebucht haben, ein Guide spricht nur englisch/italienisch ... muss ja auch nicht sein. An einem Tisch sitzen schon drei Gäste, wäre ja blöd sich zu zweit dazu zu setzen. Also setzen wir uns als erstes an den Tisch von Guide Melanie und warten was passiert.

Als erstes kommen Christina und Tobias an unseren Tisch. So ganz zufrieden scheinen sie mit der zur Auswahl stehenden Gruppen auch nicht zu sein. Wir wenden uns freundlich ab, lassen ihnen also die Möglichkeit sich ohne Peinlichkeit gegen uns zu entscheiden, doch nach ein bisschen Diskussion (Tobi: "Mir egal, entscheide du!") setzen sie sich dann zu uns. Kurze Begrüßung und hallo. Prima. Als erfahrener Gast kommt man eben eher später und hat so wie Uli und Sein Sohn Torben die Möglichkeit, die fast voll besetzten Gruppen auszuwählen. Sie setzen sich zu uns. Beide machen einen sympatischen Eindruck. Auch hier kurzes Händeschütteln.

Im Laufe des Abends wird noch das ein oder andere finnishe Bier getrunken, mit Uli liegen wir bald auf einer Wellenlänge. Alle sind gespannt auf die nächsten Tage. Uli und Torben haben ein ähnliche Tour schon im letzten Jahr gemacht und werden deshalb von uns ausgefragt. Immerhin sind wir um 23.00 Uhr noch der einzige komplette Tisch im Hotelrestaurant. Wenn das mal kein gutes Zeichen ist!

2. Tag Sonntag, 29. Januar
Erste Ausfahrt mit dem Hundeschlitten

Abfahrt 9.00 Uhr vom Hotel war angesagt, deshalb stehen wir schon gegen 7.00 Uhr auf und sind kurz vor acht im Hoterestaurant. Pünktlich um neun stehen wir in den (für den Transfer viel zu dicken) Jacken und Hosen im Foyer. Gute dreißig Minunten später und etlicher Sachen wieder entledigt, treffen wir im Hundecamp ein, wo unsere Guides uns schon erwarten.

Wir lernen unseren Guide Melanie kennen, die uns mit in ihr "Revier" nimmt. Auf einer von Hundzwingern begrenzten Fläche von ca. 50 m mal 30 m stehen schon sieben Hundeschlitten und 30 Hunde warten drauf, dass es endlich los geht. Melanie gibt es eine Einweisung in Schitten und Schlittenfahren, wie die Bremsmatte funktioniert, wie die Krallenbremse und der Bremsanker. Dann zeigt sie uns noch, wie die Hunde ihr Geschirr angelegt bekommen und wie in die Gangline eingespannt werden. Und dann geht es auch schon los. Bieffe bildet das Schlusslicht unserer Gruppe, ich fahre vor ihm. Melanie startet ganz vorne, dahinter Christina, dann Tobias, dann Uli und Thorben, dann wir.

Ich habe zuerst ein bisschen Mühe mit dem Hundegeschirr. Vor lauter Fotografieren war ich wohl bei der Einführung ein bisschen unaufmerksam. Abe rich habe bald den Bogen raus, auch wenn mir Uli als erfahrener Musher noch ein wenig hilft. Ich ziehe das Geschirr dann jedenfalls meinen Hunden an, doch einer meiner Hunde hat sich nach wenigen Minuten die Hüftschlaufen durchgebissen. Melanie meint nur "Oh, mein Fehler - das hätte ich dir sagen müssen. Das macht Wjuhu ganz gerne. Das Geschirr geht auf mich. Da musst du nun aber selber dran denken!". Na toll. Ich schmipfe mit dem Hund kündige Sanktionen an, was ihn aber erstmal nicht sonderlich interessiert.

Melanie öffnet das Tor des Geländes und wir können die Hunde kaum noch halten. Melanie löst ihre Bremsen und ihre Hunde explodieren förmlich. Sie schießt durch das Tor und ist im angrenzenden Wald verschwunden. Schwupp sind auch Christina, Tobias, Thorben und Uli verschwunden. So nun also ich. Wie war das noch mal? Auf die Bremskralle treten die Ankerbremse auf dem Schlitten befestigen, langsam von der Krallenbremse auf die Bremsmatte steigen und dann auf die Kufen. Es ruckt ganz ordentlich und ich schieße den anderen hinterher. Es wird augenblicklich still, die Hunde die eben noch gekläfft haben, als gebe es kein morgen, hechten los. Machen kann ich eigentlich nichts, außer mich am Schlitten festkrallen und drauf vertrauen, dass die Hunde wissen, wo es lang geht. Nach ein paar Metern beruhigt sich unsere Fahrt und ich sehe vor mir unsere Gruppe, die auf uns wartet. Ein bisschen Bremsmatte und der Puls beruhigt sich schon wieder. Kurzer Blick zurück, Bieffe ist auch da. Jetzt kann es aber wirklcih los gehen.

Unsere erste Ausfahrt führt uns kreuz und quer durch den Wald, die Sümpfe und die Seen um das Hundecamp herum. Nach wenigen Minuten kann man die Ausfahrt richtig genießen. Trotz der ziemlich tiefen Temperaturen ist mir warm und ich stehe sicher auf den Kufen des Schlittens. Die Landschaft ist tief verschneit, die Bäume zu Klumpen gefroren und schneebedeckt. Solch eine Schneelandschaft habe ich auch in den Alpen noch nicht gesehen.

Nach ca. vier Stunden biegen wir wieder in das sichere Gelände im Dogcamp ein. Die Hunde werden ausgespannt und dürfen nun frei herumlaufen. Wir sortieren, die Leinen und Karabiner und stellen die Schlitten für die morgige Tour bereit. Anschließend dürfen wir bis zur Rückfahrt in einer kleinen Hütte warmen Tee trinken und heiße Suppe löffeln. Hier treffen wir auch die anderen Gäste, die ebenfalls von ihren Tagestouren heimgekehrt sind. Die roten Wärmejacken müssen aber draußen bleiben. Später holt uns Melanie noch einmal ab und wir dürfen der Fütterung beiwohnen.

Abends sitzen wir nach einer ausgiebigen Sauna wieder bei ein paar Bier in der Hotelbar und lassen den Tag ausklingen. Jetzt heißt es noch Sachen für die Tour packen (bloß nicht zuviel - die Hunde müssen alles ziehen) und die restlichen Sachen wieder gut verstauen, da unsere Zimmer in unserer Abwesenheit anderweitig gebucht sind.

3. Tag Montag, 30. Januar
Unsere 4-tages Ausfahrt beginnt

Wieder Abfahrt um 9.00 Uhr vom Hotel und diesmal haben wir neben den dicken Jacken auch noch unsere Rucksäcke und Packtaschen dabei. Wir finden uns wieder auf Guide Melanies Gelände ein und müssen erstmal unsere Ganglines verlängern, weil wir für die Tour alle einen weiteren Hund ins Team bekommen. Meine Leithunde sind Vespa und Wjuhu (beides Hündinnen), dann kommt in der zweiten Reihe mit Kalle der Motor der Truppe und vor dem Schlitten laufen Sumu (weiblich) und Kimmo (männlich). Summu und Kimmo sind schon fast neun Jahre alt und sozusagen alte Hasen. Selbst das Gebell der anderen Hunde bringt die zwei nicht wirklich aus dem Konzept. Es ist vielmehr so, dass sie ein bisschen mitheulen um nicht aufzufallen. Melanie erklärt uns noch das Prozedere, wenn uns andere Teams begegnen und wenn wir Straßen kreuzen, doch dazu später mehr.

Wieder schießen wir aus dem Gelände und biegen auf den ersten Wald weg ein. Unser Ziel für heute ist Kuusi. Nach ein paar Stunden machen wir gegen Mittag Rast und sogar die Sonne zeigt sich niedrig zwischen den Bäumen. Die Landschaft ist wirklich einzigartig, die frische Luft und die Stille tun ihr Übriges - einfach toll. Nach ca. 42 km erreichen wir unsere Hütte. Es ist früher Nachmittag. Melanie erklärt uns wie wir die Hunde für die Nacht anleinen. Jeder hat dazu eine Eisenkette dabei die zwischen Schlitten und einem Baum gespannt wird. Der Schlitten wird mit der Ankerbremse gesichert und auf dei Seite gelegt. Alle zwei Meter ist an der Eisenkette eine kurze Kette mit Karabiner angebracht, an der wir die Hunde anleinen, nach dem wir ihnen das Geschirr ausgezogen haben. Melanie sammelt die Geschirre ein und verteilt das Fressen. Jeder bekommt eine Schreibe aus gefrorenem Fleisch-Fett-Fisch-Mischung, manche sogar zwei. Wir füttern unsere Hunde selbst. Außerdem sollen wir sie loben für die tolle Leistung heute. Ich habe sogar das Gefühl, dass sie sich ein wenig auf mich eingelassen haben, sie kommen bereitwillig auf mich zu und einige wollen wir sogar durch das Gesicht lecken. Mit einem leichten Klapps auf die Nase zeige ich ihnen, dass ich das aber für keine gute Idee halte.

Dann endlich machen wir uns mit Sack und Pack auf den Weg in die Hütte. Zuerst erklärt uns Melanie noch das Lager. Wir passieren den Holzschuppen, wo wir später noch Holz sägen und spalten müssen. Da ist die Sauna und dort die Plumpsklos. Jetzt aber erstmal rein in die Hütte. In der Hütte ist es fast genauso kalt wie draußen. Das Außenthermometer zeigt -27°C an. Die Gruppe vom Vortag hat uns von heute morgen das Feuer im Ofen brennen lassen und wir machen in voller Montur daran, den Ofen neu anzuheizen. Die Scheiben sind von innen zugefroren. Wir holen Wasser aus dem angrenzendem See (ein kleiner Zulauf ist fest betoniert aus dem wir Wasser nehmen können) und Melanie kocht uns davon erstmal eine kräftige Suppe. Glücklicherweise wird mit Gas gekocht und wir können gleich loslegen. Tobias und Christina heizen die Sauna an, Uli, Bieffe und ich spielen eine Runde Skat und Melanie bereitet das eigentliche Abendessen vor. Später müssen wir noch Holz sägen uns spalten, so dass für die nächste Gruppe wieder genug zum Anheizen da ist. Spät wird es dann aber nicht mehr. Weil es aber in den oberen Doppelstockbetten eindeutig zu warm zum Schlafen ist, ziehe ich mit meiner Matraze auf den Boden um. Bevor ich so gegen 21.30 Uhr die richtige Schlafposition gefunden habe, ertönt schon seeliges Schnarchen aus verschiedenen Ecken im Raum. War doch irgendwie anstrengend heute.

4. Tag Dienstag, 31. Januar
Sümpfe, Seen und Wälder

Heute haben wir die Ausfahrt zu der am weitesten vom Dogcamp entfernten Hütte Kiekerö vor uns. Melanie weckt uns um sechs Uhr. Nach einem kurzen Frühstück, reinigen wir die Hütte: Abwasser wird rausgerbacht, Asche zusammengekehrt und aus den Öfen rausgebracht, ausgekehrt und alles eingepackt. Dann geht es raus zu den Hunden. Ihnen scheint die Kälte wirklich nichts zu machen. Sie liegen zusammengerollt im Schnee und haben, bis auf einige Ausnahmen, erstmal auch keine große Lust aufzustehen. Wir müssen die die Hundescheiße, die uns unsere vierbeinigen Freunde über Nacht in den Schnee gelegt haben erstmal wegmachen. Dazu schippen wir die größtenteils festgefrorene Scheiße in Eimer und bringen sie auf eine Art Komposthaufen. Diesen Haufen möchte ich übrigens nicht im Frühjahr sehen, wenn das Tauwetter einsetzt. Dann heißt es den Hunde die Geschirre anziehen und einspannen. Die Eisenkette und alle Sachen im Schlitten zu verstauen. Ich mache das alles ohne den roten Wärmeanorak, denn die Hunde hin und her zu zerren, bringt mich ganz gut ins Schwitzen. Gegen neun Uhr sind wir dann soweit und wir können Starten. Das Startprozedere macht uns nun auch keine Angst mehr und als erfahrene und abgeklärte Musher lassen wir uns auf den Trail ziehen. Melanie stoppt nur noch ganz kurz bis wir alle zusammen sind und weiter geht es.

Wir passieren wieder Seen, Flüsse, Sümpfe und fahren durch Wälder, bergauf, bergab. Hin und wieder müssen wir den Schlitten etwas anschieben, was einen unter den dicken Sachen gleich ordentlich ins Schwitzen bringt. Wenn ich einmal nicht schiebe schauen sich gleich Kimmo und Sumu um und schauen mich so strafend an, dass ich freiwillig von den Kufen steige und dem Schlitten Schwunge gebe. Wenn es mal bergab geht, stehe ich meist mit meinem ganzen Gesicht auf der Bremsmatte, um nicht in die Hunde hineinzufahren. Sobald die Gangline bergab mal etwas loser wird, schauen sich Sumu und Kimmo auch gleich wieder nach mir um. Sie haben wohl schon in ihren acht Arbeitsjahren die eine oder andere schlechte Erfahrung gemacht und checken, ob ich jderzeit Herr der Lage bin. Seblstverständlich fahre ich niemals in die Hunde rein, ich denke vorher würde ich eher den Schlitten umschmeißen.

Dann erreichen wir eine Straßenkreuzung. Nicht die erste aber nun soll das Vorgehen geschildert werden. Melanie stoppt und wir alle halten unsere Schlitten an, das Kommando "Straße!" wird von Musher zu Musher nach hinter gebrüllt. Bieffe sichert seinen Schlitten mit Ankerbremse und Umlegen und läuft vor zu Melanies Schlitten. Melanie stellt sich dann auf die Straße und sichert diese. Bieffe fährt dann ihren Schlitten über die Straße und wir alle hinterher bis wir alle drüben sind und hinter meinem Schlitten noch genug Platz für Bieffes Schlitten ist. Dann gehe ich zurck und fahre Bieffes Hundeschlitten über die Straße, die immer noch von Melanie gesichert wird. Wenn ich dann Bieffes Schlitten drüben habe, läuft Melanie vor zu ihrem Schlitten und Bieffe kommt zurück und nimmt seinen Schlitten vor mit entgegen. Insgesamt dauert die ganze Sache nur wenige Minuten. Das reicht aber meist, dass die Hunde sich in den Leinen verheddern und jedes Mal müssen wir die Hunde nach einem solchen Stopp wieder entwirren.

Wieder machen wir einen Stopp am Mittag und genießen die wunderbare Landschaft und den heißen (naja) Tee aus der Thermoskanne. Ein paar Bilder werden geschossen, die Hunde gelobt und sogar geknuddelt und weiter geht es.

Gegen 16.00 Uhr erreichen wir dann die Hütte. Die letzten Kilometer zogen sich schon ein wenig, denn die Sonne war mittlerweile wieder verschwunden. Es wurde kälter, die Füße schmerzten und die Gruppe wurde immer wieder weit außeinander gerissen, weil das eine oder andere Hundeteam auch nicht mehr so recht Lust hatte oder nicht so richtig von ihrem Musher angefeuert wurde. Dann noch die Fahrt über einen See mit leichtem Wind und Schneegriesel und das, wie uns Melanie später mitteilt, bei -37°C.

Dann schnell die Hunde anleinen und rein in die Hütte, die sehr kalt ist. Melanie hat vom Guide der vorherigen Gruppe erfahren, dass die den offenen Kamin in der Hütte nicht anbekommen hatten. Er hatte so sehr die Hütte voll gequalmt, dass sie ihn bald wieder löschten und nur das kleine Öfchen benutzten. So hatten sie nur wenige Grad über Null in die Hütte bekommen. Auch wir zollten dem Kamin Respekt und heizten erstmal nur das Öfchen an. Nach der warmen (Nach-)Mittagssuppe widmete ich mich dann doch abermal dem Kamin. Ich machte die Klappe auf und ich hatte das Gefühl dass er ganz gut Luft zieht, also daran sollte es nicht liegen. Ich machte vorsichtig ein kleines Kaminfeuer und nach weiteren 15 Minuten brannte ein ordentliches Feuer im Kamin und der Rauch ging dahin wo er sollte, nämlich nach oben in den Kamin. So langsam wurde die Temperatur dann auch erträglich und gegen acht Uhr abends hatten wir es dann doch ganz gut warm in der Hütte. Außerdem wurde wieder die Sauna angeheizt, die Bieffe, Tobias und ich auch besuchten. Das Wasser musste übrigens aus dem See geholt werden. Weil wir das Wasserloch der Vorgängergruppe nicht fanden, mussten Bieffe und Uli ein neues Loch in den See schlagen. Die Sauna war gut warm und die Dusche mit kaltem See Wasser vor der Sauna tat richtig gut. Mit fast gefrorenen Haaren liefen wir schnell zurück in die Hütte. Zeit genug Thorben noch ein wenig Skat beizubringen.

Melanie bereitete uns dann schon mal gedanklich auf die nächste Etappe vor: Eine der längsten möglichen Strecken. Deshalb wollte sie uns diesmal auch schon um fünf Uhr wecken. Na dann, ab ins Bett.

5. Tag Mittwoch, 1. Februar
Rückkehr von der am weitesten entfernten Hütte

Wecken um fünf Uhr früh: "Guten Mogen, Melanie". Während ich kurz der Frage hinterher sinniere, ob das wirklich Urlaub ist, stehen die ersten schon auf. Der Kamin ist aus und wird es auch bleiben, aber mit dem kleinen Öfchen versuchen wir zumindest die etwas angenehme Temperatur zu halten. Kurzes Frühstück, noch einen Tee hinterher und dann das morgendlich Hundeprogramm. Häufchen entfernen, Zuggeschirr anlegen, einspannen, Schlitten packen, Kette wegräumen. Hunde beruhigen bis alle soweit sind. Wir starten so gegen acht mit eingeschalteten Stirnlampen und die ersten Kilometer laufen wirklich gut. Nach einer halben Stunde können wir die Stirnlampen ausschalten. Vor uns liegt eine lange Strecke und wir wollen bis zum Mittag schon viel schaffen. Gegen zwölf machen wir den ersten längeren Stopp. Die Sonne steht tief an einem wolkenlosen Himmel und wir können schöne Bilder machen. Auch Zeit für ein Gruppenfoto bleibt. Dann geht es weiter und wir begegnen einer anderen Hundeschlittengruppe. Wir müssen "ausweichen". Das bedeutet, jeder sichert seinen Schlitten und legt ihn um. Nimmt dann seine Leithunde an der Gangline und geht mit ihnen vom Trail in den tiefen Schnee rechts neben der Spur. Die Hunde kläffen was das Zeug hält. Die andere Gruppe kommt uns entgegen, einige winken. Sie sind froh dass sie diesmal nicht ausweichen mussten. Dann geht es weiter.

Eine lange Fahrt über den See. Plötzlich biegt Melanie nach links ab. Alle folgen ihr, aber zwischen meinem Schlitten und dem Schlitten von Uli, der vor mir fährt klafft eine Lücke. Ich hatte immer etwas Luft gelassen, damit wir vor den Anstiegen, welche die Gruppe immer wieder komprimiert, nicht anhalten müssen, sondern den Schwungen nutzen können. Meine Hunde bemerken deswegen nicht, dass es nun links ab geht und sie folgen dem Trail geradeaus, den wir gestern gekommen waren. Ich schreie "liiiinks" und "Haaaawww" und steige auf die Bremsmatte. Außerdem stehe ich mit dem ganzen Gewicht auf der linken Kufe. Plötzlich schlagen irgendwie meine Füße gegeneinander. Gemäß den Vorgaben habe ich ja drei paar Socken in den zwei Nummern zu großen Stiefeln an. Ich solpere, verliere den Halt und stürze vom Schlitten. Ich kann Bieffes Gelächter hören, drehe mich zweimal um die eigene Achse und nutze den Schwung wieder aufzustehen und laufe meinem Schlitten hinterher. Bieffe und ich schreien in Richtung Uli. Eigentlich zu meiner Überraschung hört er es und er reagiert blitzschnell. Er wirft seine Krallenbremse aus, springt von seinem Schlitten und fängt meine Hunde ein. Es sind nur zwanzig oder dreißig Meter, dann stehe ich wieder auf Schlitten. Schnell noch den Daumen raus: alles OK, alles easy.

Nach langen 72 km und über acht Stunden kommen wir endlich im Camp Peura an. Alles sind sichtlich geschafft und durchgefroren. Melanie entscheidet, die Hunde erstmal nur anzuleinen und dann erstmal die Hütte zu heizen, bevor wir die Hunde füttern. Gesagt getan. Wir sind an einer Doppelhütte. Eigentlich sogar eine Dreier-Hütte, aber die mittlere Hütte wird wohl noch nicht benutzt. Freundlicherweise hat die andere Gruppe, die die zweite Hüttenhälfte heute nacht bewohnt uns schon mal Feuer gemacht und so können wir alles ein bisschen entspannter angehen.

Beim Entblättern stellt dann Christina fest, dass ihr linker großer Zeh sehr blaß und gelb aussieht und der Nagel komplett blau ist. Der restliche Fuß sieht aber noch ganz gut aus und ich versichere ihr, dass lediglich der Nagel abfallen und nachwachsen wird und sie sonst keine bleibenden Schäden davon tragen wird. So richtig traut mir Christina aber nicht und erwägt außerdem die Tour abzubrechen. Wir reden ihr gut zu und wartet tapfer die Nacht ab und entscheidet sich am nächsten Morgen sogar mit uns zusammen ins Camp zu fahren. Jetzt wo ich diesen Bericht schreibe, habe ich von ihr die Info, dass sowohl ein Arzt in Muonio, als auch in Stuttgart meine Diagnose bestätigt haben. Allerdings riet man ihr wohl den Nagel zu entfernen. Das habe ich schon mehrfach hinter mir, ist halb so schlimm. Trotzdem an dieser Stelle: "Gute Besserung, Christina".

Die angekündigte "dicke Tomatensuppe" entpuppt sich zwar als eher klare Brühe, außerdem ist dem Hotel das Brot ausgegangen und wir müssen uns unsere Knäckebrote einteilen. Aber sei's drum. Morgen geht es zurück und bis dahin ist es ja nicht mehr lang. Wasser holen wir übrigens diesmal in einem Brunnen. Als ich den Metalleimer heraufkurbele und in unseren Eimer schütte, kleben meine Handschuhe am Eimer fest. Ist schon schön klat hier oben. Dafür sind es in der Hütte gefühlte 30°C und so wähle ich als Schlafplatz einen extra Raum, der nicht beheizt wird. Trotzdem schlafe ich prächtig.

6. Tag Donnerstag, 2. Februar
Heimkehr

So der letzte Tourtag beginnt. Auf unseren Wunsch werden wir erst um 07.00 Uhr geweckt. Mittlerweile kehrt schon ein wenig Routine ein in die morgendlichen Handlungen und so starten wir trotzdem gegen 9.30 Uhr in Richtung Dogcamp. Wir müssen noch ein paar Umwege fahren - die Guides sollen erst nach 14.00 Uhr im Camp eintreffen. Bei erträglicheren Temperaturen kann ich das gut verstehen, immerhin haben wir für drei volle Tage bezahlt. Unter den aktuellen Umständen und da Christina mit Schmerzen fährt, hätten wir auch gerne früher heimkehren können. Trotzdem vergeht die Tour relativ schnell und bald befahren wir wieder Melanies Gehege. Ich glaube, es wurde auch Zeit. Gerade am letzten Tag hatte ich doch das Gefühl, dass die Kraft bei meinen neuen vierbeinigen Freunden nachgelassen hat. Ich musste schon sehr oft schieben und neben dem Schlitten laufen. Das war zu Beginn unserer Tour noch ganz anders.

Wir spannen die Hunde aus, räumen die Schlitten leer, verstauen die Schlitten außerhalb des Geheges. Wir finden uns kurze Zeit später wieder in der Teehütte ein und treffen die anderen Gruppen, die bereits eingetroffen sind. Erste Erlebnisse werden ausgetauscht und wir erfahren, dass fast alle Gruppe (bis auf unsere und eine weitere) die Touren aus verschiedensten Gründen abgebrochen haben. Da haben wir wohl doch die richtige Gruppe erwischt! Melanie kommt später noch mal vorbei und fragt, ob wir zusammen die Hunde füttern wollen. Auch wenn es unsere letzte Chance auf eine Verabschiedung von den Hunden ist, lehnen wir dankend ab und genießen lieber den Tee und die Suppe.

Später bringt uns und alle anderen Gäste ein Bus zurück ins Hotel. Wir bringen unsere Sachen in unsere Zimmer, denn nun wartet die Sauna. Schnell noch zwei Bier mitgenommen und geschwitzt. Dann Duschen und pünktlich um kurz vor sieben sitzen wir im Hotelrestaurant und freuen uns schon auf das Abendessen.